Glück in Deutschland

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Nils
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Glück in Deutschland

#1

Beitrag von Nils » Do 11. Jul 2019, 13:14

In Deutschland geht es den Menschen überwiegend materiell gesehen relativ gut. Aber auch hier gibt es materiellen Mangel. Es fehlen Wohnungen, die Grundsicherung reicht nicht aus und der Reichtum ist ungleich verteilt. Das Hauptproblem in Deutschland ist aber das mangelnde innere Glück der Menschen. Der äußere Reichtum hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt und das innere Glück ist geschrumpft. Die Zahl der psychischen Erkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland ist psychisch krank. Sie leiden unter Ängsten, Süchten und Depressionen.

Eine Ursache ist der wachsende Leistungsdruck in der Wirtschaft. Viele Menschen erleiden einen Burnout. Die Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass die Menschen gesund und glücklich bleiben. Hier kann die Politik viel tun. Sie hat das Problem derzeit aber noch nicht erkannt. Ich fordere eine Arbeitszeitverkürzung, weniger Stress und mehr Glück in der Arbeitswelt.

Die zweite große Ursache für das innere Unglück der Menschen in Deutschland ist das Privatfernsehen. Es orientiert die Menschen auf äußeren Konsum, stärkt die Aggression und verbreitet falsche Glückswerte. Die Glücksforschung berichtet von einem Indianerstamm in Alaska, der glücklich und zufrieden vor sich hin lebte. Durch die Einführung des Fernsehens wurden die traditionellen Werte zerstört und Aggressionen und Unzufriedenheit kehrten in dem Stamm ein. Wir können das Privatfernsehen nicht mehr abschaffen. Aber wir können unsere Kinder befähigen positiv mit dem Fernseher umzugehen. Und wir können im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verstärkt über die Glücksforschung informieren und motivierende Filme zeigen.

Eine dritte große Ursache des wachsenden Unglücks in Deutschland ist der Verfall der positiven Werte und Strukturen. Früher lehrten die christlichen Kirchen Werte wie Liebe, Frieden und ein gutes soziales Miteinander. Heutzutage zerfallen die Kirchen und kaum noch ein Mensch orientiert sich am christlichen Glauben. Nur etwa 10 % der Menschen gehen regelmäßig in die Kirche.

Inneres Glück entsteht durch das Üben positiver Eigenschaften, durch die Arbeit an den Gedanken, durch Sport, Singen, Meditation und ein gutes soziales Miteinander. Hier kann jeder Einzelne viel für sein inneres Glück tun. Gesamtgesellschaftlich brauchen die Menschen aber Unterstützung durch die Politik. Es müssen Glücksstrukturen aufgebaut und gefördert werden. Das beginnt mit der allgemeinen Einführung des Schulfaches Glück. Des weiteren ist die Glücksforschung an den Universitäten zu fördern. Psychotherapeuten und Ärzte müssen ihren Patienten den Weg der Gesundheit und des Glücks zeigen. Glücksgruppen müssen aufgebaut werden. Eine Glückskultur muss in Deutschland entstehen. Wir brauchen kein Heimatministerium, sondern ein Glücksministerium.

Wir sollten nicht nur fragen, wie die alten Menschen, die Kinder, die Armen gut versorgt werden. Wir sollten uns überlegen, wie wir sie glücklich machen können. Ich habe einige Jahre in einem Altersheim mit den Alten gesungen. Das gelang aber nur gegen den Widerstand der Heimleitung und vieler Altenpfleger. Nicht gelungen ist es mir einen Besuch für eine arme, alte und einsame Frau zu organisieren. Das wurde von der Heimleitung boykottiert. Wir brauchen aber verstärkt derartige Hilfen. Wir müssen Vereine und Einzelpersonen fördern, die sich dafür engagieren.

Der wichtigste Punkt für das Glück der Menschen ist ein gutes soziales Miteinander. Und hier beobachten wir in Deutschland zunehmenden Hass, eine wachsende Vereinzelung, zerfallende Beziehungen, Stress in den Familien und ein Schrumpfen der Vereinsszene. Nur wenige Menschen engagieren sich politisch. Immer weniger Menschen machen Musik oder singen in einem Chor. Es gibt viele gute Freizeitangebote, aber zu wenige Menschen nutzen sie. Hier muss ein Umdenken in Deutschland stattfinden. Und teilweise gibt es das auch schon. Es gibt Nachbarschaftstreffen, Stadtteilfeste und die Volkhochschulen. Es gibt Stadtteilbeauftragte, die für ein gutes Miteinander der Menschen in ihrem Stadtteil oder in ihrer Wohnsiedlung sorgen. Es gibt viele gute Ansätze. Die Politik kann sie fördern und ausbauen.

Es gibt Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und die Schweiz, die auf der Glücksrangliste der UNO weit vor Deutschland stehen (7,8 statt 6,7 Punkten auf der Zufriedenheitsskala). Es gelingt ihnen das allgemeine Glück besser zu organisieren, obwohl es auch dort ein kapitalistisches Wirtschaftssystem gibt. Auf Platz 1 des Happy Planet Index, bei dem neben der Lebenszufriedenheit auch der Umweltschutz berücksichtigt wird, steht Costa Rica. Deutschland liegt weit abgeschlagen auf Platz 49. Auch eine gesunde Umwelt ist wichtig für das Glück der Menschen und vor allem für ihre Gesundheit.

Weltweit sehr bekannt geworden ist Bhutan. Bhutan ist ein kleines Land nördlich von Indien im Himalaya Gebirge. Dort wird regelmäßig das Glück der Einwohner durch Befragungen gemessen. Staatsziel ist nicht die maximale Anhäufung von Geld (Bruttosozialprodukt), sondern die Förderung des Glücks der Menschen (Bruttosozialglück). Staatsreligion ist der Buddhismus, dessen Ziel das Glück und die Erleuchtung aller Menschen ist. Das ist sicherlich sehr glücksfördernd. Aber leider wurde dort vor einigen Jahren das westliche Konsumfernsehen eingeführt. Es führte zu einem deutlichen Glücksverlust, zum Anwachsen der Kriminalität und der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Wenn man in einem armen Entwicklungsland lebt und dann immer die reichen und glücklichen Menschen im Fernsehen sieht, dann möchte man auch in einem reichen westlichen Land leben und wird mit seiner Situation unzufrieden.

Ein ähnlicher Effekt tritt in Afrika auf. Die Menschen in den Slums orientieren sich an dem Leben der Superreichen im Fernsehen mit viel Geld, teuren Kleidern, großen Autos und schönen Villen. Sie wollen das auch haben. Sie durchschauen nicht, dass äußere Dinge nur begrenzt glücklich machen und man vor allem sein inneres Glück entwickeln muss. Sie erfahren nichts von der Glücksforschung, sondern lassen sich von der Konsumideologie manipulieren.

Wir aber wissen es besser. Laut Glücksforschung kommen 90 % des Glücks eines Menschen aus seinem Inneren, seiner eigenen Psyche. Nur 10 % werden durch äußere Dinge beeinflusst. Grundsätzlich lebt jeder Mensch auf einem bestimmten Glücksniveau. Zwar gibt es im Leben jedes Menschen Freude und Leid. Nach solchen Ereignissen kehrt die Psyche aber immer wieder zu dem persönlichen Glückslevel zurück. Lottogewinne machen nicht dauerhaft glücklich. Äußerlich reich zu sein macht nicht dauerhaft glücklich. Die Reichen sind innerlich nicht wesentlich glücklicher als die Armen. Das bestätigt die Glücksforschung immer wieder durch Untersuchungen. Menschen, die nach äußerem Reichtum oder einer beruflichen Karriere streben, sind langfristig unglücklicher als Menschen, die ihr Glück in einer Familie, in guten Freunden oder einer guten Beziehung suchen.

Was folgt daraus? Wenn wir in unserem Leben glücklich werden wollen, dann müssen wir vorwiegend an uns selbst arbeiten. Wir sollten achtsam auf unsere Gedanken sein, negative Gedanken stoppen, positive Gedanken fördern, regelmäßig Sport machen, meditieren und Stress soweit wie möglich vermeiden. Des weiteren sollten wir uns ein positives Umfeld aufbauen, positive Kontakte pflegen und glückliche Beziehungen haben. Und uns auch um das Glück unserer Mitwesen kümmern und ihnen helfen, soweit es uns möglich ist. Denn regelmäßig anderen Menschen Gutes zu tun ist einer der stärksten Glücksbringer.

Für die Aufstehen-Bewegung ist Glück ein wichtiges Thema. Es wird von den herrschenden Parteien nicht bearbeitet. Und es wird immer mehr zu einem großen Thema, weil der Stress, der Burnout und die psychischen Krankheiten in Deutschland stark zunehmen.
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Harald Uhlig (Sa 13. Jul 2019, 14:11)
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Re: Glück in Deutschland

#2

Beitrag von Harald Uhlig » Sa 13. Jul 2019, 14:07

Lieber @Nils , danke für den wertvollen Beitrag!
Ich wurde dadurch erinnert an den sehr guten DEFA-Film "Einer trage des anderen Last". Ich habe ihn ein Jahr vor dem Ende der DDR erstmals gesehen. Er zeigt, wie religöse und nicht-religöse Menschen sich gegenseitig helfen können und dabei die verschiedenen Quellen ihrer Stärke nutzen können. Es ist um so wichtiger für Menschen zu lernen, sich gegenseitig zu stützen, je weniger sie auf einen Glauben bauen können.
VG Harald
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Nils (Mo 15. Jul 2019, 10:15)
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