Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

Moderator: [TIFO] Moderatoren [AD]

Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#51

Beitrag von Marcel Hammer » So 3. Feb 2019, 08:58

Geschenke für Unternehmer? - Es stellt sich die Frage, wie lange jene anachronistische Überhebung Einzelner, die gewissen- und verantwortungslos von allen erwirtschaftete Gewinne einfährt und diese einfach mal so privatisieren, noch weiter den Markt und gesellschaftliches Leben bestimmen wird.

Leserbriefe sind eine schöne Möglichkeit und ein tolles Beispiel dafür, dass jede/r Einzelne Aufmerksam erzeugen kann. Ausgezeichnet! Wir haben "probeweise" hier in Frankfurt auch einen Leserbrief in der Frankfurter Rundschau veröffentlichen, ohne allerdings explizit auf www.marogal.de hingewiesen zu haben. Wir haben für uns mitgenommen, dass Leserbriefe und noch viel mehr möglich ist, wenn es denn angegangen und von einem Menschen bzw. uns allen gemeinsam umgesetzt wird.

Die beiden kurzen Übersichtsdarstellungen fallen auch nicht vom Himmel und werden derzeit erarbeitet bzw. ausgearbeitet. Vielleicht können sie in ganz wenigen Wochen eingebracht werden. Sowohl auf einer, als auch auf zehn Seiten wird zu entnehmen sein, um was es insgesamt geht. Ein Argument findet neben einem anderen Platz und fügt sich zu einem ansehnlichen Ganzen zusammen, dass weder einfach weggewischt werden kann, noch mit komplexer Rhetorik in den Schatten gestellt werden kann.

Immer deutlich zeigt sich, dass Finanztransaktionssteuer, Gemeinwohl-Ökonomie, Transparency International und viele andere Ansätze mitunter wunderbare Konzepte und Ideen haben, die allerdings zum einen als isolierte Initiativen nicht alleine effektiv sein und umgesetzt werden können, da die Ansätze nicht über die erforderlichen Reichweiten verfügen, grundlegende Veränderungen zu bewirken. Zugleich erfordert die Umsetzung Mehrheiten oder es müssen andere hohe Anforderungen erfüllt werden, die nicht wirklich umsetzbar sind. Der Ansatz Humanen Unternehmen zu gründen ist nicht an derartige Bedingungen geknüpft, kann direkt umgesetzt werden und ist entgegen der anderen Initiativen so ausgelegt, dass grundlegende Veränderungen bewirken werden. Insgesamt bietet sich also unbedingt Zusammenarbeit und Kooperation all dieser Ansätze an, die ohnehin gemeinsam die gleichen sozialen Ziele anstreben. Gemeinsam können wir die Umkehrung der Werte Pyramide erzielen (vgl. Attack), uns gemeinsam für eine Welt einsetzen, in der der Mensch und nicht Gewinnmaximierung im Zentrum steht.

Linke, soziale und alternative Menschen,
wir haben alle die gleichen Ziele.

Wir sollten uns alle verbinden und zusammenschließen,
über-politische, grundlegende Veränderungen bewirken
und gemeinsam eine Handlungsalternative hervorbringen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Marcel Hammer für den Beitrag:
Harald Uhlig (Mo 4. Feb 2019, 12:41)
Martin Durel
Beiträge: 12
Registriert: Mo 14. Jan 2019, 14:01
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#52

Beitrag von Martin Durel » Mo 4. Feb 2019, 15:01

Leserbriefe sind mir sehr sympathisch. Heute habe ich gelesen, dass auch faire-trade sowie Bio Produkte, als Geschäftsidee eiskalt benutzt, dazu beitragen, dass Ungleichheit größer wird. Wenn diese Produkte zugleich in humanen Firmen hergestellt werden würden, dann würden diese eigentlich erst richtig Sinn machen. Diese Einsichten werden Menschen wehtun, sind sie doch davon überzeugt, etwas Gutes zu tun und gewiss nicht Ungleichheit vergrößern. Aber das sind Argumente, die niemand umgehen kann.

Schließen sich allerdings all diese engagierten Menschen zusammen und bauen Unternehmen auf, die Gewinne eben nicht privatisieren, dann kann diese Welt tatsächlich eine schöne und freie Welt werden.

So einfach könnte es sein: Sobald ein Mensch diese Zusammenhänge verstanden hat, wird dieser "angesteckt" mit anderen reden und zufrieden die praktischen Möglichkeiten von humanen Unternehmen weitergeben. Wie bei einem Schneeball, der immer größer wird..

Sollten wir nicht schon mal überlegen, wo wir dann - mit den neuen Kurzdarstellungen - afmerksam erzeugen?
Im Internet könnten diese leicht weitergeleitet werden, aber auf diversen Kanälen:
- über Soziale Medien / Netzwerke
- bei facebook
- bei Twitter
- über whatsapp
- über private Adressen
usw.

Wer würde mitmacht und für welche Wege seid ihr?
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Martin Durel für den Beitrag:
Marcel Hammer (Di 5. Feb 2019, 12:58)
Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#53

Beitrag von Marcel Hammer » Mi 6. Feb 2019, 11:10

Gestern hat Herr Mausfeld einen Vortrag in Frankfurt gehalten und in vielen Dingen Marogal quasi von der Seele gesprochen bzw hatte ich fast den Eindruck, dass er unser Vorhaben umreißt, ohne davon zu wissen. Er sprach davon, dass unbedingt auf bestehende Ansätze eingegangen werden muss. Dies wird getan, es findet eine komplexe historische und methodische Einordnung statt. Darüberhinaus sagte Mausfeld, dass unbedingt über die Möglichkeiten der Reichweite eines Ansatzes nachgedacht werden sollte. Genau dies macht Marogal, indem Reichweite, Umsetzbarkeit und Möglichkeiten grundlegender Veränderungen von anderen Initiativen und Ansätzen - von Sklavenaufstand in Rom, über Marx bis Demo und Bio-Produkt - analysiert werden und der eigene Ansatz freilich auch. Als Mausfeld von Kreativität sprach, musste ich schmunzeln, da sich sein Denken weitestgehend im politischen Kurs bewegt und der nicht anders als Noam Chomsky nicht über das politische Kämpfen hinauskommt. Marogal erweitert dialektisches Herangehen durch grundlegende Veränderungen. Mausfeld betonte, dass der Ansatz ein Meta-Ansatz sein müsse, wie ein Klammer auch andere Ansätze einbezieht und gerade dies tut Marogal. Die Aufnahme der Regelungen in die Satzung und Transparenz mit z.B. Bio usw. sind kompatibel. Zudem hob Mausfeld hervor, dass unbedingt das Menschenbild passen müsse und auch wenn er immer wider von politischer Bildung sprach, hob er zumindest den ganzen Menschen hervor. Für Marogal ist der Mensch mehr als ein rein geistiges Wesen, ein Mensch mit Leib und Seele. Die Übernahme von Verantwortung, Menschen kaufen und wollen Produkte aus humanen Unternehmen, wird von der Lebenssituation und dem Verständnis des Menschen der Gegenwart abgeleitet und auch hier ist der Diskurs des Abendlandes relevant. Freilich betonte Mausfeld als Psychologie Professor die Relevanz von psychischen Ebenen und gerade diese werden immer wieder bei Marogal einbezogen.. Wir sind offenbar auf einem vielversprechenden Weg.
Benutzeravatar
Martha
Beiträge: 606
Registriert: Do 13. Dez 2018, 20:45
Hat sich bedankt: 87 Mal
Danksagung erhalten: 131 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#54

Beitrag von Martha » Mi 6. Feb 2019, 11:48

ywitzig, wie doch jeder jört, was er nur hören kann.

Hier in HH waren wir bei Mausfeld, und da haben wir weitgehend mitgenommen, dass innerhalb des bestehenden Systems nicht der Ansatz zu suchen ist.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Martha für den Beitrag:
Marcel Hammer (Mi 6. Feb 2019, 23:07)
(als Moderator kommissarisch bis zur Abwahl oder womöglichen Bestätigung)
----------------
cc-by-sa (https://de.creativecommons.org/index.php/was-ist-cc/)
----------------
Gelb auf die Straßen
Harald Uhlig
Beiträge: 212
Registriert: Sa 22. Dez 2018, 18:04
Hat sich bedankt: 72 Mal
Danksagung erhalten: 36 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#55

Beitrag von Harald Uhlig » Mi 6. Feb 2019, 13:30

Nun, Martha, das kommt sicherlich darauf an, wie eng man den Begriff des kapitalistischen Systems fasst.
Wenn eingesetztes Kapital nichts mehr für den Investor "abwirft", sondern er lediglich nach 40 Jahren sein Kapital wieder in gleicher Höhe zurückbekommt (z.B. als Alterssicherung), dann ist der Investor nicht mehr Kapitalist in dem Sinne, dass er leistungsloses Einkommen bezieht. Es ist aber trotzdem noch Kapitalismus und sowieso Marktwirtschaft.
Die Frage ist eben dabei, wie und ob man den Bürger dazu bekommt, sein Geld so zu investieren, solange daneben die Möglichkeit besteht, es gewinnbringend anzulegen. Beim "einfachen" Bürger ist das noch einigermaßen vorstellbar, bei den reichen 3 Prozent, die ohne zu arbeiten davon leben, kann das allerdings freiwillig niemals gehen.

Ich z.B. habe beim Windernergieunternehmen PROKON 2000 Euro "investiert", und ich muss zugeben, das war nicht nur wegen der erneuerbaren Energie, sondern auch wegen der guten Renditeversprechen.
Dass die dann wegen der Insolvenz nicht gehalten werden konnten, war für mich ja nicht abzusehen. Heute sind davon noch etwa 700 Euro übrig, und die sind zur Hälfte Genossenschaftsanteile und zur Hälfte Anleihen. Die Genossenschaftsanteile halte ich, weil es mich freut, dass ich Mitglied der größten Energiegenossenschaft Deutschlands bin, aber ich zögere, noch Anteile dazuzukaufen, weil die Zukunft der Windenergie nicht gerade vielversprechend ist, obwohl die Genossenschaft dringenden Kapitalbedarf hat. Einen "richtigen" Investor schert es natürlich nicht, wenn er mal miese macht, weil er woanders doppelt "verdient". So steht die Frage: Wer übernimmt die Rolle des Investors in der Wirtschaft, wenn die reichen 3 Prozent "ausfallen"? - der Staat? - der einsichtige Konsument?
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Harald Uhlig für den Beitrag:
Marcel Hammer (Mi 6. Feb 2019, 23:29)
Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#56

Beitrag von Marcel Hammer » Mi 6. Feb 2019, 23:20

ZITAT (oben): "..dass innerhalb des bestehenden Systems nicht der Ansatz zu suchen ist." Vielen Dank!

Sehr schön. Mausfeld selbst scheint keine Antworten zu finden, umkreist aber mit der Aussage - nicht innerhalb des Systems - quasi ahnend unser Vorhaben: Marogal denkt nicht (ausschließlich) wie offenbar Mausfeld und andere abendländische Intellektuelle analytisch.

Geschichte:
*Eine Europäer*in findet in den Bergen eine selten Pflanze, reißt sie raus und seziert diese.
*Eine Asiat*in tritt entzückt einen Schritt zurück und erlebt die Pflanze in das Gesamtbild eingefügt.

Mausfeld steht u.a. ratlos vor den beiden Worten: "kapitalistische Demokratie" und findet keine Antwort... Für ihn gibt es lediglich politischen Kampf zwischen politisch engagierten Menschen und Neoliberalismus.

Marogal kämpft nicht, wirkt über-politisch, tritt entspannt einen Schritt zurück und steht beobachtend außerhalb des Systems:

"Da gibt es Menschen, eine Politik und eine Wirtschaft, die alles unterwandert.
Also brauchen wir eine Ergänzung, etwas Neues, das Wirtschaft
bzw. die Unternehmen am Markt kontrolliert".

Dies war die Geburtsstunde von Marogal. Indem Menschen die Möglichkeit haben sich zu entscheiden - für oder gegen humane Unternehmen / Ungleichheit - gibt es nunmehr eine weitere Instanz, jene "Stimme der Vielen", die das System ergänzt.

Eine Ergänzung das System: Volk, Politik und Wirtschaft wird durch die "Stimme der Vielen" (Menschen, die Produkte aus humanen Unternehmen kaufen und so unerwünschte Unternehmen nicht weiter bedienen) ergänzt.

PS Wir dürfen auch nach den "Grenzen" von Mausfeld fragen, weder er noch sonst irgendwer sollte unser Guru sein:
Argumente zählen, stets für ein Gespräch zu haben; Transparenz.
Sanity
Beiträge: 4
Registriert: Mi 13. Mär 2019, 14:13
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 4 Mal

Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#57

Beitrag von Sanity » Mi 13. Mär 2019, 16:25

Ich möchte euren Planungen hiermit nicht den Wind aus den Segeln nehmen, aber doch ein paar kritische Einschätzung formulieren:

1. Ein Unternehmen zu gründen, weil man ein besserer Unternehmer sein möchte, ist kein linker Ansatz, auch nicht sozialdemokratisch oder sozialliberal. Das ist eher der Ansatz des "humanistischen Kapitalismus". Es ändert nichts an den bestehenden Ausbeutungsstrukturen. Ob und wie viel Ausbeutung stattfindet, wird dem jeweiligen Unternehmer überlassen, wie ja bereits jetzt schon. Fragt doch mal Unternehmer, ob sie sich für "gute Menschen" und "faire Unternehmer" halten ;-) Wer wird schon etwas gegenteiliges von sich behaupten wollen?! Nichts an den bestehenden Verhältnissen zu ändern, sondern als Teil davon nur an die Moral des Unternehmers zu appellieren, ist eher eine Spielart des vorherrschenden Wirtschaftsliberalismus.

2. Ein Unternehmen zu gründen, weil man Menschlichkeit zeigen möchte, ist zwar nett gemeint und ich begrüsse und schätze diese Intension, aber ein fragwürdiges Erfolgskonzept für ein Unternehmen. Entweder man hat eine tragfähige Geschäftsidee oder das Unternehmen ist im Zwang der kapitalistischen Konkurrenzverhältnisse zum Scheitern verurteilt. Man sollte vielleicht auch auf die Risiken einer solchen Investition hinweisen: 50% der Neugründungen existieren nach spätestens 5 Jahren nicht mehr und 80% nach 8 Jahren.

Selbst wenn sich das Unternehmen mit dem Gütesiegel "Humanes Unternehmen" gewisse zusätzliche Marktanteile gegenüber Mitbewerbern erobern könnte, um eine gewisse Zeit überleben zu können, so ist das Ganze kein auf alle Unternehmen übertragbares Konzept, da der durch das Gütesiegel entstandene Marktvorteil dann neutralisiert wäre, wenn alle Unternehmen mit diesem Siegel werben. Es gäbe dann zwar etwas weniger reiche Unternehmer auf dieser Welt, aber die systemimmanenten Gegensätze, die zu Umverteilungen, ja auch schon unter den lohnabhängigen Arbeitern führen, sind immer noch vorhanden. Der Kapitalismus braucht diese Ungleichheiten, sie sind der Motor, der ihn antreibt. Er benötigt Menschen, die über mehr Einkommen verfügen, als sie in den eigenen monatlichen Verbrauch zu ihrer Erhaltung investieren müssen, die also "überflüssiges" Vermögen besitzen und dieses in Rendite-Anlagen, also direkt oder indirekt in die Produktion investieren können. Wenn die Einkommen so verteilt wären, dass alle Menschen nur soviel verdienen würden, wie sie monatlich verkonsumieren können, wäre kein "überflüssiges" Kapital mehr für Investitionen vorhanden. Und es würde auch niemand mehr über genügend Sicherheiten verfügen, um neue Kredite bei Banken zu bekommen. Ohne diese Investition und Vorleistung in Produktionsgüter können im Kapitalismus auch keine Konsumgüter hergestellt werden. Der Kapitalismus benötigt also die Ungleichverteilungen und den daraus entstehenden Reichtum so nötig wie der Mensch die Luft zum Atmen braucht.

3. ein tragfähiges Unternehmen bedient immer nur zahlungskräftige Bedürfnisse. Hierin liegt eine weitere linke Kritik. Was ist mit den Bedürfnissen, die im Kapitalismus nicht zur Geltung kommen, weil keine Kaufkraft dahinter steckt ?!

4. wie schon Marx feststellte, ist auch der Unternehmer selbst nur eine "Geisel" des kapitalistischen Systems. Er verhält sich systemkonform und rational, wenn er persönliche Gewinne mit seinem Reichtum erwirtschaftet und ist deshalb auch nur ein Opfer der anonymen sachlichen Herrschaftsverhältnisse, wenn auch ein materiell gut gestelltes "Opfer".

Hinter dieser Idee des "humanistischen Unternehmens" steckt nach meiner Ansicht eine verkürzte bzw. oberflächliche Kapitalismuskritik, nämlich die Kritik des "bösen Kapitalisten", der man nun das Konzept des "guten Kapitalisten" entgegen stellen möchte. Solche verkürzten Vorstellungen sind auch der Grund, weshalb Linke oft als Utopisten dargestellt werden, weil sie angeblich den Egoismus und die Gier nicht als natürlich vorhandene menschliche Charaktereigenschaft anerkennen würden. Das ist natürlich Unsinn. Uns Linken geht es vielmehr darum, dass wir ein System anstreben, dass solche negativen menschlichen Charaktereigenschaften nicht länger zur lohnenswerten Haupttriebkraft des ökonomischen Handelns erhebt, da ein auf Egoismus beruhendes Handeln Einzelner zu unbestimmten Ergebnissen für alle führt, also einer Herrschaft willkürlicher materieller Verhältnisse mit allen denkbaren negativen Erscheinungen.

5. in dem Eingangspost wird geschrieben von "Da kein Geld mit Geld gemacht wird, wird zugleich ausgeschlossen, dass das Unternehmen eine Aktiengesellschaft wird. "

Wie will man denn verhindern, dass ein Gesellschafter der "humanen GmbH" seine Anteile verkauft und damit dann große Gewinne gegenüber seiner Anfangsinvestition erzielt?! Das deutsche Gesellschaftsrecht sieht solche Möglichkeiten vor, ohne dass diese durch individuelle Gesellschaftsverträge eingeschränkt werden können.

6. weiterhin wird in dem Eingangspost geschrieben: "Weltweite, zunehmende Ungleichheit, jene Schere zwischen Arm und Reich ist insgesamt auf den Abzug der Gewinne zurückzuführen."

Der endgültige Abzug der Gewinne aus einem Unternehmen stellt eine Umwandlung von Investitionswerten (Geld) in Konsumwerte dar. Durch die Verkonsumierung von Unternehmensgewinnen entsteht keine Armut oder Ungleichheit. Die Ungleichheit ist doch vorher bereits manifestiert im Investitionskapital, also den Produktionsmitteln, das in nur wenigen Händen liegt. Die Ungleichheit entsteht durch die ungleiche Verteilung der gesellschaftlich produzierten Werte aufgrund kapitalistischer Verwertungsmechanismen. Wer entscheidet z.B. in einem "humanen Unternehmen" über die Höhe der Gehälter und vor allem nach welchem "humanen" Verteilungsschlüssel? Ist es Angebot und Nachfrage auf einem "humanen" Arbeitsmarkt? ;-) Wer besitzt die Produktionsmittel und hat damit das Recht über Löhne und Gehälter und damit auch direkt über die Höhe des Gewinns des Unternehmens zu bestimmen?

7. in dem Eingangspost steht geschrieben: "Ein humanes Unternehmen ist quasi Teil eines natürlichen Handelskreislaufes, in dem Gelder / Gewinne nicht abgeführt, sondern im Unternehmen und bei jenen bleiben, die sie durch reale Arbeit erwirtschaftet haben. "

der durch die Festlegung der Gehälter direkt mitbestimmte Gewinn des "humanen Unternehmens" wird zwar nicht an die Gesellschafter ausgezahlt, aber er verbleibt in dem Unternehmen und erhöht den Wert des Unternehmens, das rechtlich gesehen dem Gesellschafter gehört, der wiederum seine Anteile gewinnbringend verkaufen darf. Wieso steht der Gewinn denn nicht in voller Höher den Mitarbeitern zu?! (rhetorische Frage)

Ich könnte noch weitere Punkte aufzählen, aber ich denke, es ist klar was ich deutlich machen möchte. Mit dem Kapitalismus sind immanente Gegensätze verbunden, die zu Armut und Ungleichheit führen, aber auf der anderen Seite auch zu extremen wissenschaftlich-technischen Fortschritt, zumindest wenn man Fortschritt mit grenzenlosem Konsum gleichsetzt. Versteht meine kritischen Anmerkungen bitte als Denkansatz für Verbesserungen eurer Idee, denn, auch wenn ein humaner Kapitalismus nicht die Lösung der Probleme ist, so ist das Nachdenken über "Verbesserungen" eine Vorstufe für einen möglichen Fortschritt
Zuletzt geändert von Sanity am Mi 13. Mär 2019, 17:17, insgesamt 3-mal geändert.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Sanity für den Beitrag (Insgesamt 3):
Martha (Mi 13. Mär 2019, 16:53) • Marcel Hammer (Mi 13. Mär 2019, 19:50) • Harald Uhlig (Fr 15. Mär 2019, 14:41)
Benutzeravatar
Martha
Beiträge: 606
Registriert: Do 13. Dez 2018, 20:45
Hat sich bedankt: 87 Mal
Danksagung erhalten: 131 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#58

Beitrag von Martha » Mi 13. Mär 2019, 16:53

Danke, das ist es, was ich nicht in Breite formulieren sondern nur in knappen Worten anmerkte: es ist systemimmanent und wie alles, was das System ein wenig erträglicher macht sogar systembestätigend.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Martha für den Beitrag (Insgesamt 2):
Marcel Hammer (Mi 13. Mär 2019, 20:03) • Thomas Kross (Di 19. Mär 2019, 21:40)
(als Moderator kommissarisch bis zur Abwahl oder womöglichen Bestätigung)
----------------
cc-by-sa (https://de.creativecommons.org/index.php/was-ist-cc/)
----------------
Gelb auf die Straßen
Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#59

Beitrag von Marcel Hammer » Mi 13. Mär 2019, 19:46

Guten Tag, seit der Ankündigung der Kurzdarstellung und der verständlichen Darstellung von Marogal ist eine Menge passiert. Die Darstellungen nehmen Form an. Ziel ist es, die Darstellungen in spätestens einem Monat zu veröffentlichen.

Wir freuen und über die obige Kritik, die zeigt, dass diese verständlichen Darstellungen unbedingt erforderlich sind. Offenbar ist der Text auf der Webseite von Marogal nicht besser als AGBs verständlich. Wir bedanken uns über das kritische Engagement und schlagen vor, diese passend nach dem Verständnis von Marogal vorzutragen. Dann werden sich weitere Fragen klären und weiterführende Schritte eingeleitet werden können. Eingehen auf die wohlwollende Kritik ist nicht sinnvoll und kaum möglich, da hier nicht wirklich von Marogal die Rede ist. Ein systemischer Ansatz - beispielsweise der Ansatz von N. Luhmann - kann sehr wohl Systeme darstellen und systemimmanente Veränderungen darstellen, ist aber nicht dafür konstruiert, das erweiterte Gesamtsystem zu erfassen ;-) Was ich knapp sagen möchte ist, dass Marogal einerseits durch grundlegende Eingriffnahme eine Befreiung von gegenwärtigen Wirtschaftsstrukturen befördert, zugleich aber eine Ergänzung des Gesamtsystems darstellt.

Zum Nachdenken möchte ich mitgeben, dass hier in gewisser Weise "politischer Kampf" versus " grundlegende Veränderungen/Aufbauen" gestellt wird bzw. politischer Kampf (womöglich verdeckt in neoliberaler Absicht.. ) das macht, was ihn auszeichnet: "Aufbauen" wird mitunter bekämpft (Warum eigentlich?). In der Natur von Kämpfen steckt, dass etwas geholt oder zurückgeholt wird. Ob das klappt ist fraglich. Mit weniger / keinem Risiko sind grundlegende Veränderungen und Aufbauen behaftet, die gänzlich ohne jenen anderen - die bekämpft werden - auskommen. Dass dem Vorhaben nichts im Weg steht, der "Motor" und Gelingen in der Entwicklung liegen und keine Wunder bedürfen, dass ungewohntes Potenzial gegeben ist und dies weder mit einem neuen Kapitalismus und einem neuen Sozialismus zu tun hat, linke Ziele umgesetzt werden, das wird dann bald aus den Kurzdarstellungen ersichtlich. Keine Sorge, es werden auch keine alten, linken Dogmen über Bord geworfen. Bitte noch ein wenig Geduld.

Dass das Thema aktuell ist, zeigt u.a. die Anzahl der Aufrufe dieses Themas. Es bleibt also spannend. Statt weiter im Dunkeln zu stochern und sich womöglich fälschlich gegenseitig in Frage zu stellen, Freunde bekämpfen, schlage ich vor über weiteres Vorgehen nachzudenken:
A) Es stellt sich die Frage, ob das Forum hier bei Aufstehen für weiteres Vorgehen sinnvoll ist bzw. wie weiter vorgegangen werden kann?
B) Wie sieht nach personellen Veränderungen bei Aufstehen die Möglichkeiten bei Marogal aus?
C) Können wir auf der Hauptseite von Aufstehen einen solidarischen Aufruf starten / Linke aller Länder vereinigt euch?
D) Ist womöglich ein neutrales Forum sinnvoll?

Lasst uns nicht den Kopf verlieren, denn das ist nicht links, das ist link. Lasst uns grundlegend verändern, mit Marx radikal sein: ""Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen." Also keinen halben Forderungen von anderen, keine halben Sachen.
Eva K.
Beiträge: 29
Registriert: Sa 2. Feb 2019, 16:34
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 6 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#60

Beitrag von Eva K. » Do 14. Mär 2019, 10:26

Ohne die ganze Diskussion zum Thema "humanes Unternehmen" vollständig gelesen zu haben, Frage ich mich: wozu braucht es neue Strukturen, wo doch Genossenschaft oder auch gGmbH schon Möglichkeiten bieten - geht es nicht vielmehr darum, Fehlentwicklungen und Missbrauch innerhalb der bestehenden Strukturen entgegenzuwirken - die (zusaetzlich zu "Kinderkrankheiten") früher oder später auch in jeder neuen Struktur zu erwarten sind?
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Eva K. für den Beitrag:
jiriskokan (Do 14. Mär 2019, 10:29)
Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#61

Beitrag von Marcel Hammer » Do 14. Mär 2019, 12:45

Du könntest dir die Gesellschaft als eine große Mäuse Familie vorstellen, die in einem Käfig eingesperrt ist. Du kannst dich selbst fragen, was dir am Liebsten ist: Entweder die Familie richtetet es sich im Käfig schön ein, bleibt gefangen und ihrer Freiheit beraubt oder es geht primär darum, aus dem Käfig zu kommen, die Gefangenschaft zurück zu lassen und gemeinsam frei zu leben.

"Es gibt kein richtiges im falschen Leben" (Adorno) - Der Ansatz der Gründung Humaner Unternehmen zielt auf grundlegende Veränderungen ab, also quasi auf das Ende des Käfigs. Ist die Befreiung aus der Abhängigkeitsbeziehung (Marx) geglückt, können jegliche Initiativen und soziales Engagement zusammen Alltag einrichten und gestalten. Wie das abläuft, wir dann erst mit den Zusammenfassungen bzw. Kurzdarstellung von von Marogal ersichtlichen. Bis dahin ist Verstehen offenbar schwierig oder gar nicht möglich und Beantworten von Fragen, die am Thema vorbeigehen für niemanden sinnvoll, weil so nicht möglich. Bitte noch etwas Geduld. Danke
Eva K.
Beiträge: 29
Registriert: Sa 2. Feb 2019, 16:34
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 6 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#62

Beitrag von Eva K. » Fr 15. Mär 2019, 22:31

Die "große Mäuse Familie" ist zwar nicht im Käfig eingesperrt, hat aber auf dem Globus nur einen genauso begrenzten Raum zur Verfügung.

Daher denke ich, langfristig ist ein Überleben der Menschheit nur in einer konsequenten Kreislaufwirtschaft möglich.

Marx denkt - soweit ich verstanden habe - auf ein "Ziel" hin, einen vorgestellten Idealzustand, den es nach meiner Überzeugung nicht gibt.

Die Erde dreht sich immer rundherum: es gibt nur den Wechsel der verschiedenen Positionen in ständiger Wiederholung - Tag und Nacht, die Jahreszeiten....
Keine Tageszeit ist "ideal", auch keine Jahreszeit - nur im regelmäßigen Wechsel ergänzen sich die scheinbar gegensätzlichen Zustände, von denen jeder seine Vor- und Nachteile hat.
Und so geht es eben auch um Werden und Vergänglichkeit.

Ein "humanes" Unternehmen müsste in irgendeiner Form der Endlichkeit des menschlichen Lebens Rechnung tragen - eine "unsterbliche" AG oder GmbH funktioniert in dem Glauben an ewiges Wachstum - was der Notwendigkeit einer Kreislaufwirtschaft widerspricht.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Eva K. für den Beitrag:
Thomas Kross (Di 19. Mär 2019, 21:41)
Benutzeravatar
Thomas Kross
Beiträge: 60
Registriert: So 23. Dez 2018, 16:04
Hat sich bedankt: 38 Mal
Danksagung erhalten: 37 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#63

Beitrag von Thomas Kross » Di 19. Mär 2019, 21:53

Naja , Marx (und Engels) dachten vor allem dialektisch (an Hegel angelehnt). Sie gingen davon aus, dass die menschliche Gesellschaft im Gemeinwesen sich dorthin entwickeln würde, wo die Menschheit schon mal stand (http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_025.htm), nur auf einer höheren Produktions- und Bildungsstufe. Der Mensch ist evolutionär ein sehr soziales Wesen (M. Tomasello: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... 38645.html ), von dem der Mensch in einem konkurrenzbasierten marktwirtschaftlichen System, dass auf Rendite und nicht auf Gemeinwohl orientiert ist, getrennt wird ...
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Thomas Kross für den Beitrag:
Marcel Hammer (Fr 22. Mär 2019, 21:41)
jiriskokan
Beiträge: 6
Registriert: Do 10. Jan 2019, 10:55
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#64

Beitrag von jiriskokan » Di 30. Jul 2019, 14:38

Hier in HH waren wir bei Mausfeld, und da haben wir weitgehend mitgenommen, dass innerhalb des bestehenden Systems nicht der Ansatz zu suchen ist.

Bin dafür einen Bundesweiten Imobilienfond zu eröfnen der irgendwann zur vierten Säule des Sozialgesetz wird nicht unter Staatlicher Führung aber mit der Verpflichtung keine Gewinne auszuzahlen.
Marcel Hammer
Beiträge: 45
Registriert: Do 10. Jan 2019, 00:58
Hat sich bedankt: 12 Mal
Danksagung erhalten: 8 Mal

Re: Re: Aufbau einer Planungsgruppe zur Gründung eines humanen Unternehmens

#65

Beitrag von Marcel Hammer » Mi 31. Jul 2019, 19:03

Dankeschön. Die Popularität von Rainer Mausfeld hat ganz schön zugenommen, seitdem wir ihn hier in Frankfurt gesehen haben. Er ist ein Guter.

Immer wieder ist von drei Säulen die Rede. Jetzt sogar von vier. Mit Adam Smith frage ich erstaunt, ob gar nicht nach den Machtverhältnissen, der Gier der Unternehmer gefragt wird, die jener als größte Gefährdung der Wirtschaft bezeichnet, die längst Politik unterwandert. Fehlt da nicht immer schon das Fundament, auf dem die Säulen stabil zum Stehen kommen. Oder dient das Ganze schlicht und einfach dazu, dass sich kämpfende Wähler mit Fragen auseinandersetzen, die keinerlei Bedeutung haben (vgl. Zitat Montagu Norman). Der marogalische Ansatz schlägt umsetzbare Lösungen vor.

Die Kurzdarstellungen von Marogal werden bald - in wenigen Wochen - fertig sein und werden dann hier vorgestellt. Ich freue mich.
Antworten

Zurück zu „Wirtschaft“