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Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung

Verfasst: Di 3. Sep 2019, 15:45
von Peter
Von Peter geschrieben am 29. 8. `19 als Kommentar zu einem Petitions-Upgrading bei change.org zum Thema "Bevölkerungsexplosion:

Selbstverständlich muss das Thema "Überbevölkerung / Geburtenkontrolle" dringend wieder auf die Agenden - z. B. der UNO. Denn natürlich ist neben der Industrialisierung auch die in den vergangenen 50 Jahren explosionsartig gewachsene Masse der Menschen und ihr Umgang mit den begrenzten Ressourcen unserer Erde Hauptursache fast aller unserer heutigen Probleme, insbesondere des drohenden Klimakollapses.
Seit Jahren frage ich mich, warum das Thema "Bevölkerungsexplosion" ab Ende der 80er Jahre, in etwa zeitgleich mit dem Ende des Kalten Krieges, global sukzessive wieder aus dem Fokus geriet. (Ab dieser Zeit verloren wir ja auch den gesamten Themenkomplex "Klima-, Umwelt- und Naturschutz" aus diversen Gründen langsam wieder aus den Augen.....)
Eine der Ursachen für das "Downgrading" des Themas Bevölkerungswachstum war sicherlich die gezielte Schwächung der UNO durch die Streichung finanzieller Mittel seitens der USA.
Aber ich habe den Verdacht, dass über "Geburtenkontrolle" evtl. auch aus - missverstandener - Rücksicht auf den katholischen und den islamischen Teil der Weltbevölkerung nicht mehr prioritär diskutiert wurde und wird.
Eine weitere Rolle haben sicherlich auch die Durchsetzung (weil staatlich verordnet) und die Folgen (Abtreibung weiblicher Föten und damit heute akuter Frauenmangel) der umstrittenen Ein-Kind-Politik Chinas gespielt sowie die in Indien erfolgten Zwangssterilisationen im Geleit des "Two is enough"-Programms der damaligen indischen Regierung.
Und - ist der Gedanke wirklich zu abwegig - dass es auch etlichen internationalen Konzernen darum gehen könnte, insbesondere in den Entwicklungsländern der einstmals sog. "Dritten Welt" neue Absatzmärkte und Konsumentenmassen zu gewinnen?! Denken wir doch beispielsweise nur mal an den Boom von Smartphones z. B. auf dem afrikanischen Kontinent oder von Fleisch, Milch und Milchprodukten in China....
Bis heute wird ja auch der gefährlich Irrglaube gepusht, mit Hilfe der industriellen Landwirtschaft könnten sogar bis zu zwölf Milliarden Menschen ernährt werden.
Zuzutrauen ist der globalen Wirtschaftsmacht ja so einiges an Manipulationsfähigkeiten. Denken wir nur einmal daran, dass einer der größten US-Mineralölkonzerne schon ab Ende der 60er Jahre daran forschte, um wie viel die Erdtemperatur durch CO2-Emissionen ansteigen muss, damit die Nordwest-Passage eisfrei und damit für den Tankerverkehr nutzbar wird - kostengünstiger als die teure Passage durch den Panamakanal........ Noch Frage!?

Re: Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung

Verfasst: Mi 4. Sep 2019, 14:38
von Clara
Hallo Peter,
ich habe deinen obigen Artikel und den Hamburger Vortrag zur Klimarettung gelesen. Zu oben gibt es nicht viel hinzuzufügen, außer vielleicht dass v.a. in den anmodernisierten Ländern viele Frauen dankbar wären für eine Unterstützung bei der Geburtenkontrolle.

China hat durch die Brutalität, mit der die Geburtenkontrolle in den 80ern und 90ern von lokalen Kadern durchgeführt wurde (um Erfolgszahlen nach oben melden zu können und damit eigener Sanktionierung zu entgehen) das Thema weltweit in Misskredit gebracht. (Auch) deshalb scheint es mir sinnvoller, auf massive flächendeckende Unterstützung bei gewünschter Kontrolle statt auf Verbote zu setzen. China ist gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, dass zunehmender Wohlstand zu mehr Geburtenkontrolle führt als gesetzliche Verbote/Anreize (die chinesische Regierung hätte inzwischen liebend gerne mehr Geburten, kriegt sie aber nicht). Alles in allem: das Thema ist so wichtig wie vor 50 Jahren, da gebe ich dir völlig recht. Aber wie so vieles andere auch steht es in einem Gesamtzusammenhang, der erst einmal analysiert werden muss. Und das kann nicht über reine Zahlenjonglage geschehen, die du auch bestimmt nicht gemeint hast, die aber in der Vergangenheit eine dominierende Rolle in der Diskussion gespielt hat.

Mein Anliegen im Moment ist, in Kontakt zu kommen mit Wittgensteiner Aufstehern. Ursprünglich gab es ja nur Olpe, wie ich jetzt sehe gibt es seit einem halben Jahr auch eine Ortsgruppe Siegen. Dazu habe ich ein paar Fragen, die aber nicht in diesen Thread gehören. Da ich mich noch nicht "an Diskussionen beteiligt" habe bin ich nicht berechtigt, dir eine Nachricht über dein Profil zu schicken. Vielleicht könntest du stattdessen mich kontaktieren?

Viele Grüße

Clara

Re: Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung

Verfasst: Mi 4. Sep 2019, 15:04
von Clara
Hallo Peter,
im Sog des Inhalts deines Postings habe ich vorhin etwas vergessen: dass ich dich um Kontaktaufnahme bitte in der Hoffnung, dass du der Peter Schulte bist, der vor ein paar Monaten in der Westfalenpost interviewt wurde, und der die Ortsgruppe Siegen gegründet hat. Da hier so wenig Leute schreiben nehme ich an, du könntest es sein - dein Hamburger Vortrag kann ja auch ein Gastvortrag gewesen sein. Ich bin nicht vernetzt mit hiesigen Aufstehern und auch nicht vertraut mit der Fülle von Möglichkeiten einer solchen Website wie sie aufstehenforum ist. Vielleicht hätte man intelligenter nach einem Kontakt zur Ortsgruppe suchen können...

Re: Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung

Verfasst: Do 5. Sep 2019, 16:48
von Peter
Tut mir leid Clara - ich bin Peter Seelmann. Von Austehen-Hamburg enttäuscht (was die Bewertung des Themas Klima anbelangt) habe ich mich ab Januar 2019 zunehmend der Fridays for Future-(bzw. Parents for Future-) Bewegung zugewandt und arbeite z. Zt. parallel auch bei "Extiction Rebellion" mit. Dieser Tage fiel mir ein, dass es zumindest keine Schaden sein kann, meine Elaborate ins aufstehenforum zu stellen. Mit dem Kontakt nach Siegen kann ich Dir leider nicht weiter helfen. Für alle weiteren Fragen rund um Klima-, Natur- und Umweltschutz kannst Du mich gern anmailen: pseelmann@web.de
Beste Grüße,
Peter

Re: Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung; düstere Aussichten

Verfasst: Fr 6. Sep 2019, 11:31
von Harald Uhlig
Nachdem der "Realsozialimus" besiegt war, konnte wieder so richtig auf Wachstum zum Wohle des Kapitals und seiner (wenigen wirklichen) Profiteure orientiert werden. Zugleich brauchte der militärisch-industrielle Komplex dringend weiterhin Absatzwachstum. Da bot es sich an, statt mit Geburtenregulierung lieber mit Kriegen das weitere Bevölkerungswachstum zu bremsen (wo es als normaler Absatzmarkt wenig taugt) Da kann man wesentlich mehr mit verdienen und es funktioniert - wenigstens teilweise - wie man im Kongo gesehen hat und im Jemen sehen kann, sehr gut. Über Fluchtbewegungs-"Schwund" geht auch einiges und nebenbei kann man damit auch in Europa so richtig alles nach dem Teile- und Herrsche-Prinzip im Griff halten. Wenigstens so lange, bis man Europa selbst mittels begrenztem Kernwaffenkrieg in eine weitgehend entvölkerte Trümmerlandschaft verwandelt hat (weil Russland ja nun mal endlich ausgeschaltet werden muss) und sich dann voll und ganz dem letzten Gegner China widmen kann. - Ja, so ist wohl das Konzept. Nur ist es leider so gut vernebelt, dass es kaum einer wahrhaben will, zumal solche stupide Grausamkeit vom normal-menschlichen Verstand einfach wohl nicht wahrgenommen werden will.

Re: Bevölkerungsexplosion vs. Klima-Rettung

Verfasst: Sa 7. Sep 2019, 10:56
von Clara
@Peter: danke für deine Rückmeldung! Mittlerweile habe ich unter den Mitgliedern auch den "richtigen" Peter gefunden. @Peter und @Harald: Ja, wir stoßen leider darauf, dass sich die (teils zu erwartenden, teils aktuellen) Katastrophen summieren: politische + soziale + ökologische + ... Ich stimme dir, Peter, zu, dass der Klimawandel sozusagen die "Super-Katastrophe" ist, d.h. ohne ihre Verhinderung potenzieren sich alle die anderen Katastrophen. Nur bedeutet das leider noch nicht, dass wir ausschließlich sie angehen können. Die von dir, Harald, beschriebene Kriegsgefahr ist real bzw. in vielen Weltgegenden nicht mehr nur Gefahr. Das sehe ich jedenfalls so wie du, auch wenn ich die Details deiner Analyse nicht kenne. Kriege und Kriegsgefahr können alle Klimabemühungen schnell zunichte machen. Nebenher binden sie permanent enorme Kräfte (öffentliche Aufmerksamkeit, Arbeit, materielle Mittel), sie kosten also viel von den vorhandenen Ressourcen - die wir für die Klimarettung bräuchten.